1. März 2010

Workshop statt Schnäppchen: Wie man eine Agentur findet

Projekte — von Kirsten Schelper | Artikel drucken

spec_hurts_postervon-glitschkaWenn Kunde Mustermann eine Agentur sucht, dann tut er sich schwer. Welche soll er nehmen? Da gibt es die Referenzen, also die Projekte, die die Agentur schon umgesetzt hat. Da gibt es das Kennenlerngespräch. Aber was ist, wenn die Agentur nur fürchterliche Vorschläge abliefert?

Da ist es doch eine gute Idee, einen kleinen Wettbewerb auszuloben. Mustermann bittet drei Agenturen, einen Vorschlag für sein Projekt auszuarbeiten. Die Agentur, die den Entwurf liefert, der ihm am besten gefällt, bekommt den Zuschlag. Die anderen beiden gehen leer aus.
So kann eigentlich nichts schiefgehen, oder?

Irgendjemand zahlt immer

Die Agentur muss die Kosten natürlich irgendwie wieder hereinholen. Am einfachsten geht das, indem sie am Ende etwas mehr auf die Rechnung praktiziert. Nämlich genau die Summe, die sie am Anfang investiert hat. Oder sie erhöht ganz einfach ihre Preise und bittet alle ihre Kunden zur Kasse. Der Witz dabei: Auch Kunde Mustermann zahlt am Ende die Zeche.

Je knapper die Agentur kalkulieren muss, je strenger muss sie mit ihrer Zeit haushalten. So kann es leicht passieren, dass die Website, die auf den ersten Blick so schick aussah, nach wenigen Wochen nur noch Fehlermeldungen ausspuckt. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch ziemlich teuer.

Arbeit, die in ein solches Projekt fließt, kostet die Agentur Zeit und Energie. Ressourcen, die von den Projekten der zahlenden Bestandskunden abgezogen werden.

Kein guter Einstieg

Für die eine Gruppe der Agenturen sind unbezahlte Wettbewerbe einfach Teil des Geschäfts. Die Kosten werden auf den üblichen Wegen (s.o.) wieder hereingeholt. Fair und transparent ist das nicht.
Für eine andere Gruppe von Agenturen sind kostenlose Arbeiten der Strohhalm, nach dem sie in schlechten Zeiten greifen. Aber ist ein wirtschaftlich klammer Partner wirklich eine Empfehlung für Kunde Mustermann?

Selbst wenn sich drei Agenturen finden, die das Spiel mitspielen, bekommt Kunde Mustermann wahrscheinlich nicht das, was er braucht. Ein Design, das Kunde Mustermann hübsch und eindrucksvoll findet, ist mit ziemlicher Sicherheit nicht das, was sein Geschäft voranbringt. Denn nicht er, sondern seine Kunden müssen damit zurechtkommen.
Aber welche Agentur, die einen Wettbewerb gewinnen will, wird ausgerechnet jetzt lästige Fragen stellen?

Design-Schnäppchen im Netz

In letzter Zeit sind auch im deutschprachigen Raum Web-Portale aus dem Boden geschossen, die solche Design-Wettbewerbe veranstalten. Potenzielle Kunden werfen eine Aufgabe in die Runde und viele eifrige Designer laden ihre Entwürfe hoch. Am Ende sucht sich der Kunde den Schönsten aus und der Designer bekommt das ausgelobte Honorar. Das liegt sehr oft im unteren dreistelligen Bereich.
Auf Englisch heisst eine kostenlose Arbeit übrigens SPEC Work, das ist die Abkürzung von »speculative work«. In den USA gibt es ein recht umtriebiges Netzwerk von freiberuflich arbeitenden Designern, die mit Informations-Kampagnen gegen dieses zweifelhaftes Konzept zu Felde ziehen.

Im Twitter-Feed von Specwatch zum Beispiel kann man die neusten krummen Touren nachlesen: Designer beschummeln ihre Auftraggeber, indem sie Illustrationen von Bildagenturen klauen und als originären Logoentwurf präsentieren. Und Auftraggeber hauen Designer übers Ohr, indem sie den »Wettbewerb« kurz vor der Entscheidung unter einem Vorwand beenden, um am Ende das Honorar von 300$ zu sparen.
Das Plakat oben in diesem Artikel hat Von Glitschka für die Kampagne NO!SPEC entworfen.

Lieber fair und transparent

Sie ahnen es, wir arbeiten nicht umsonst.

Aber wir sind uns der Schwierigkeit bewußt, die die Suche nach dem richtigen Partner mit sich bringt. Wir bieten daher jedem Interessenten einen maßgeschneiderten Workshop zu einem fairen Preis an.
Wenn Ihr Unternehmen sich weiterentwickelt hat und Ihre Publikationen angepasst werden sollen oder Sie Ihre Website überarbeiten möchten, aber den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, dann könnte ein Workshop ein guter Einstieg in den Umbauprozess sein.

Wenn eine gemeinsames Projekt zustande kommt, schreiben wir Ihnen die Kosten für den Workshop mit der ersten Rechnung gut.
Fragen Sie uns, wir entwickeln für Sie den Workshop, der zu Ihnen passt.

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