Was Sie schon immer über TYPO3 wissen wollten

TYPO3 ist ein Redaktionssystem, mit dem sich Webseiten komfortabel verwalten lassen. Aber was passiert da eigentlich?
Ein Text für alle, denen sich die Schönheiten der Programmierung nicht immer spontan erschließen, die aber trotzdem gerne verstehen möchten, wie es ungefähr funktioniert.
TYPO3 ist im Prinzip ein Bündel aus Dateien (mehrheitlich PHP), das auf dem Server installiert wird. Eine Website erhält dadurch zwei Ebenen: Ein »Frontend«, also eine Vorderseite, die jeder sieht, wenn er die Adresse aufruft, und ein sogenanntes »Backend«. Das Backend ist der Bereich im Hintergrund, in dem die Website verwaltet wird und der nur den Eingeweihten zugänglich ist.
Im Backend sieht man die Struktur der Website als Seitenbaum. Eine neu angelegte Seite besteht zunächst nur aus der Information, auf welcher Ebene im Baum sie sich befindet und ihrer IP, einer Identität, die sie ihr Leben lang behält. Einen Namen bekommt sie ebenfalls, aber er ist nur für uns Menschen als »Erinnerungshilfe« und zur besseren Orientierung gedacht und kann jederzeit verändert werden.
An dieser Stelle gibt es noch kein Design und keine Inhalte.
Der Trick: Platzhalter für die Inhalte
Leben erhält die Website erst, wenn man ihr per TYPOScript (das ist ein spezielle Skriptsprache, die TYPO3 versteht) ein paar wichtige Informationen mitteilt: Wo steht die Navigation, wo werden die einzelnen Inhalte platziert und auf welche Designvorlage soll TYPO3 zurückgreifen.
Das alles wird nur ein einziges Mal festgelegt, nämlich auf der sogenannten Rootseite. In der Regel ist das die Seite, die als Startseite fungiert. Die Information wird nach unten auf alle weiteren Seiten vererbt. Alle später erzeugten Seiten haben also zunächst automatisch dieses Aussehen.
TYPO3 erstellt selbständig alle Navigationsmenüs und nutzt dazu die Informationen aus dem Seitenbaum. Dabei ist es nicht wichtig, ob eine, drei oder zehn Seiten existieren, es werden alle vorhandenen Seiten der jeweiligen Ebene eingebunden. Dadurch ist es sehr einfach, nachträglich Seiten hinzuzufügen, zu löschen oder vorübergehend auszublenden. Das Menü passt sich den Gegebenheiten an.
Unterseiten, die anders als die übergeordnete Seite aussehen sollen, werden mit ein paar zusätzliche Zeilen TYPOScript angepasst.
Ein Beispiel: Jede Rubrik soll ihr eigenes Bild als Erkennungsmerkmal haben. Dafür muss auf den jeweiligen Seiten lediglich die Zeile im Code überschrieben werden, die die Grafik-Datei einbindet.
(Fast) so einfach wie ein Textprogramm
Das Anlegen von Inhalten ist einfach. Auf jeder einzelnen Seite befindet sich eine Maske, über die man Inhalte anlegen kann. Nicht nur Texte und Bilder können über diese Maske eingegeben werden, auch Formulare, Mulimedia-Inhalte und vieles mehr. Über einen Editor, der sich wie ein Textverarbeitungsprogramm bedienen lässt, ist die Arbeit an den Inhalten relativ komfortabel. Programmierkenntnisse braucht an dieser Stelle niemand.
Warum gerade TYPO3?
Die Stärke von TYPO3 ist seine Modularität und seine Erweiterbarkeit. Mit TYPO3 ist im Prinzip jede Art und jede Größe einer Website realisierbar. Soll eine Website wachsen und sich weiterentwickeln, bietet TYPO3 dafür die beste Grundlage.
Wir haben immer wieder kleinere CMS-Systemen getestet. Ausser Wordpress – das in einer etwas anderen Liga spielt – konnte uns (noch) keines so recht überzeugen. Kleine Systeme stoßen relativ schnell an Grenzen. Erweiterungen fehlen. Meist sind auch die Entwickler und damit die Support-Foren dünn gesät. Das ist nicht nur mühsam für den Webdesigner, der eine Frage hat, sondern vor allem für den Kunden. Es ist relativ schwierig, jemanden zu finden, der die Website weiterbetreut, sollte der ursprüngliche Dienstleister ausfallen. An diesem Punkt wird meist ein teurer Relaunch fällig – verbunden mit dem Umstieg auf ein System mit größerer Verbreitung.
Hinter TYPO3 steht ein schier unüberschaubares Angebot an Erweiterungen. Umfangreiche Suchfunktionen, ein mächtiges Nachrichten-System, das aktuelle Meldungen verwaltet und archiviert, Bildergalerien, Sitemaps, Newsletter, Foren und so weiter. Jede Funktionalität ist realisierbar.
TYPO3 wird auf OpenSource-Basis entwickelt, das heisst, die Software ist kostenlos nutzbar und es fallen für den Endkunden keine Software-Lizenzgebühren an.
Große und kleine Schwächen
Als sehr vielseitiges System hat TYPO3 natürlich auch einen großen Nachteil: Es ist sehr komplex. TYPO3 ist mit der Zeit immer weiter gewachsen, und mit den Jahren wurde es nicht gerade übersichtlicher. Viele unterschiedliche Ansichtsmodi im Backend, unzählige kleine Icons hinter denen sich weitere Einstellungsmöglichkeiten verstecken, zehren zuweilen an der Konzentration. Die nächste Version TYPO3 5.x soll vollständig neu entwickelt werden. Es ist zu erwarten, dass dabei auch das Backend neu konzipiert wird.
Tech Talk
In der Regel müssen die TYPO3-Erweiterungen (extensions) an die Umgebung der jeweiligen Website angepasst werden, was mitunter mit viel Knobelei und Recherche verbunden ist. Je nach Komplexität und Umfang der Website ist die Anpassung und Verknüpfung der Erweiterungen der aufwändigste Arbeitsschritt.
Webentwickler sollten eine gewisse Unempfindlichkeit gegenüber blumigem Denglisch und viel Geduld beim Anpassen des von TYPO3 erzeugten Code mitbringen.
TYPO3 wird zwar vorwiegend im deutschsprachigen und skandinavischen Raum eingesetzt (in Amerika ist das System nahezu unbekannt), die Dokumentationen liegen aber meist in englischer Sprache vor.
Der Code, den TYPO3 erzeugt, ist dicht gefüllt mit seltsamen CSS-Klassen und sogenannten »wraps«: Aus unerfindlichen Gründen wickelt TYPO3 nämlich liebend gern HTML-Elemente ein. Ein Bild wird in ein <p> gewickelt, das dann noch Mal in ein <div> und eh man sich’s versieht, kommt auch noch eine <table> drumherum. Diese Wickeleien machen TYPO3 und Extensions selbsttätig ohne dass man als Webdesigner etwas dazu tut. Man kann allerdings etwas dagegen tun: Eine schöne Zusammenfassung der TypoScript-Anweisungen zur Säuberung des HTML-Codes gibt es hier expertinnen-web.de









