Sommerlektüre 2009
Was macht ein Buch zur perfekten Sommerlektüre?
Es bietet spannende Unterhaltung und ist so mitreißend geschrieben, dass man es nicht mehr aus der Hand legen mag.
Solche Bücher sind gar nicht leicht zu finden. Flotte Erfolgsromane langweilen oft schon nach den ersten Seiten und Mainstream-Krimis wetteifern mit immer blutrünstigeren Effekten und immer weniger Inhalt um die höchsten Verkaufszahlen.
Um so wertvoller sind die kleinen Entdeckungen links und rechts der Bestsellerlisten.
Die Instrumente des Herrn Jørgensen
Ein Buch über die Ordnung der Welt, die Macht der Phantasie und die Tragikomik des Lebens« – so steht es im Klappentext. Zunächst ist da eine kleine, charmante Geschichte aus der Gegenwart. Herr Kriminalassistent Jørgensen wird auf eine kleine dänische Insel versetzt und macht dort allerlei Bekanntschaften. Mit sympathischen und weniger sympathischen Menschen, mit dem Landleben, mit dem Meer und mit dunklen Geheimnissen. Langsam und stetig spinnen sich die Fäden der Handlung voran, Bezüge und Zusammenhänge werden greifbar und Zug um Zug bringen die Nachforschungen des Herrn Jørgensen Licht in so manches Rätsel aus Vergangenheit und Gegenwart.
Das Buch ist im weitesten Sinne ein Kriminalroman, aber kein rasanter Thriller, dafür ist seine Gangart zu ruhig und die Erzählweise zu sorgfältig. Liebhaber gut konstruierter Plots, die sich nebenbei auf eine atmosphärisch-dicht erzählte Geschichte mit skurrilen Einschlägen einlassen mögen, werden ihre Freude an dem Buch haben.
Die Instrumente des Herrn Jørgensen
Richard David Precht und Georg Jonathan Precht
Erschienen bei Goldmann, Preis 8,95€
Unser Geheimtipp: Alexander McCall Smith
1948 in Zimbabwe geboren und aufgewachsen, studierte Alexander McCall Smith in Edinburgh Medizinrecht. Als Professor der Universität Edinburgh war er viele Jahre lang Mitglied nationaler und internationaler Bioethik-Kommissionen.
Seine wahrscheinlich berühmteste Figur ist Precious Ramotswe, Besitzerin der No. 1 Ladies Detective Agency in Gaborone, Botswana. Als ihr geliebter Vater stirbt, hinterlässt er seiner einzigen Tochter eine große Herde Rinder. Sie hat nun die Möglichkeit, sich ihr Leben ganz nach ihren Wünschen zu gestalten und beschließt, eine Detektei zu gründen.
Mit viel Witz und Fingerspitzengefühl löst Mma. Ramotswe ihre Fälle, kümmert sich um die Sorgen ihrer Mitmenschen und bringt dem europäischen Leser Botswana ein Stückchen näher.
Zwei andere Reihen von Alexander McCall Smith spielen in seiner Wahlheimat Edinburgh. The Sunday Philosophy Club erzählt von Miss Isabel Dalhousie, die sich ebenfalls gern, allerdings völlig privat, in die kleineren oder größeren Geheimnisse ihrer Mitmenschen einmischt.
Miss Dalhousie ist Herausgeberin der Zeitschrift für angewandte Ethik, was zur Folge hat, dass ihr Interesse weniger rein kriminalistischen, sondern eher philosophischen und moralischen Fragen gilt.
Die zweite Edinburgh-Reihe, 44 Scotland Street, ist ursprünglich ein Zeitungsroman, der 2004 als tägliche Serie im traditionsreichen Blatt The Scotsman erschienen war. Zunächst nur als Experiment gedacht, war 44 Scotland Street so erfolgreich, dass es relativ bald als Buch veröffentlicht wurde. Mittlerweile sind vier Fortsetzungen entstanden. Das Format – kurze, zeitungsgerechte Kapitel – ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Menschen der Scotland Street ziehen den Leser innerhalb kürzester Zeit in ihren Bann. Das Leben in Edinburgh ist zum Teil Fiktion, zum Teil lebt die Serie davon, dass reale Vorkommnisse verarbeitet werden und auch bekannte Einwohner Edinburghs, etwa Krimiautor Ian Rankin, kleine Gastauftritte geben.
Die Bücher von Alexander McCall Smith sind eine höchst vergnügliche Lektüre. Wer Geschichten mit großer Geste, geheimnisvollen Treffen an finsteren Orten und dramatische Showdowns sucht, liegt bei Alexander McCall Smith falsch. Seine Romane leben von der detaillierten, liebevollen Beschreibung der Protagonisten und den psychologisch durchdachten, präzis-humorvoll gesponnenen Handlungsfäden.
Alexander McCall Smith ist übrigens auch leidenschaftlicher Fagottist. Vor mittlerweile fast 15 Jahren war er Mitbegründer des Really Terrible Orchestra in Edinburgh. Im Rahmen des R.T.O. können Amateurmusiker gemeinsam in einem Orchester musizieren, auch wenn das mit mehr Begeisterung als fachlichem Können geschieht. Das Orchester hat inzwischen internationale Bekanntheit erreicht, wie ein Artikel in der New York Times beweist: Lousy Is the Best They Can Ever Be.
Alle Titel sind als Taschenbuch-Ausgaben in deutscher Übersetzung erschienen.
Die englischen Originalausgaben sind über Amazon erhältlich, in der Regel sogar etwas preisgünstiger als die Übersetzungen.









