Nexus One, der unsichtbare iPhone-Killer
Im Januar stellte Google sein Smartphone vor, das Nexus One. Wochen davor brodelte bereits die Gerüchteküche. Das Nexus One zog aus mit der Mission, dem iPhone Konkurrenz zu machen und wurde mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht. Ein paar Eingeweihte durften das Gerät testen und waren begeistert.
Auch ich wurde infiziert: Keine Frage, das will ich haben.
Vier Monate nach der Ankündigung ist vom Nexus One nichts zu sehen.
Ich bin verwirrt. Gibt es das Nexus One überhaupt?
Seinen Zeitplan konnte Google jedenfalls nicht einhalten. Bereits Anfang des Jahres sollte das Nexus One in Großbritannien verfügbar sein, tatsächlich kam es erst Ende April auf den Markt. Für Deutschland lautete die Ankündigung »im Frühjahr«.
Auch den Plan, das Nexus One über einen eigenen Webshop zu verkaufen, scheint Google in aller Stille aufgegeben zu haben.
In Deutschland soll es von Vodafone angeboten werden, ob mit oder ohne Vertrag, darüber ist sich die Gerüchteküche nicht einig. Im Google-Webshop findet man nur den trockenen Hinweis: »Sorry, the Nexus One phone is not available in your region.«
Und der Preis? Bislang Fehlanzeige. Bei Vodafone ist es zwar immerhin schon in der Liste, was laut einer freundlichen Mitarbeiterin darauf hindeutet, dass es irgendwann tatsächlich im Angebot sein wird. Leider gibt es aber auch hier keine weitere Informationen zu Kosten und Erscheinungsdatum. Die einzige Möglichkeit, derzeit eines in die Hand zu bekommen ist, über Amazon einen Direktimport zu kaufen – oder selbst in die USA reisen.
Was steckt dahinter?
Mittlerweile stelle ich mir die Frage, welche Strategie Google mit dem Nexus One eigentlich verfolgt. Es kann nicht (mehr) darum gehen, ein Smartphone gewinnbringend zu vertreiben. Andy Rubin, Head of Android Development bei Google, äußerte bereits Anfang des Jahres gegenüber GigaOm, er rechne damit, dass Google 2010 etwa 150.000 Exemplare verkaufen würde. Das ein recht kleiner Marktanteil. Zum Vergleich: Vom iPhone wurde im vergangenen Jahr rund 25 Millionen Exemplare verkauft, das entspricht einem Marktanteil bei den Smartphones von etwa 14%.
Wahrscheinlich ist es wichtig, die Situation von Google in den USA zu betrachten. Google hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Mobilfunkmarkt aufzumischen. Der Verkauf von Mobiltelefonen soll vom Verkauf von Telefonverträgen abgekoppelt werden. Im Moment locken in den USA die Netzbetreiber ihre Kunden hauptsächlich mit den Geräten, die dann exklusiv nur bei ihnen zu haben sind. Nicht jedes Mobiltelefon funktioniert mit jedem Provider.
Vielleicht geht es auch darum, die Marke Google in den USA noch mehr ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Hier in Deutschland ist Google als Suchmaschinenanbieter unangefochtener Platzhirsch. Wir suchen nicht, wir »googeln«.
In den USA ist das anders. Dort behauptet sich nach wie vor die Konkurrenz wie Bing und Yahoo! und hält einen beachtlichen Marktanteil.
Die Nutzer von Android, dem offenen Betriebssystem vom Nexus One, sind nachweislich recht »google-treu«. Wenn es fürs Android-basierte Telefon gut funktionierende Google-Dienste gibt, werden die Kunden kaum zu einem anderen Anbieter wechseln.
Insgesamt ist das Nexus One für Google wahrscheinlich nur der Startpunkt einer Strategie, die sich erst noch entwickeln wird.
Das Betriebssystem Android
Nicht zuletzt lenkt der Rummel um das Nexus One mehr Aufmerksamkeit auf das OS Android. Ein offenes, leistungsstarkes Betriebssystem im Smartphone ist für viele Nutzer ein starkes Argument. Das iPhone wird seinen Platz an der Spitze in Zukunft sicherlich mehr verteidigen müssen als in den vergangenen Jahren.
Google hat Android 2005 gekauft und 2007 mit 33 anderen Mitgliedern der Open Handset Alliance begonnen, das Betriebssystem Android zu entwickeln. 2008 kam das erste Mobiltelefon mit Android auf den Markt.
Ja, ich interessiere mich immer noch für das Nexus One. Oder sollte ich sagen: Für Android? Das System hat in den letzten drei Jahren eine rasante Entwicklung genommen. Sein großer Pluspunkt: Es hat einen Linux-Kernel und ist ein offenes System. Das bedeutet, dass jeder Anwendungen entwickeln und anbieten kann. Obwohl Android noch so jung ist, gab es Anfang Mai bereits über 50.000 Apps. Jeden Monat kommen derzeit etwa 10.000 neue dazu.
Ein weiteres Verkaufsargument des Nexus One, sein für die Smartphone-Oberklasse vergleichsweise günstiger Preis, hat sich inzwischen relativiert. Da es nur so zögerlich auf den Markt kommt, haben ihm andere Smartphones von HTC mittlerweile den Rang abgelaufen. Das HTC Incredible hat vergleichbare gute Kritiken eingesammelt. Leider unterstützt es nur den Mobilfunkstandard WCDMA und wird daher in Deutschland nicht auf den Markt kommen. Aber das – in Deutschland erhältliche – HTC Desire soll von ähnlichem Format sein.
Inzwischen frage ich mich, mit welchem Bonbon Google mich dazu verlocken könnte, auf das Nexus One zu warten, wenn ich ein gleichwertige Android-Smartphone schon morgen in der Hand halten könnte. Zumal das Nexus One ebenfalls von HTC hergestellt wird. Dass der Preis des Nexus One deutlich unter dem für das HTC Desire liegen wird, kann ich mir kaum vorstellen. Und die direkte Nähe zu Google empfinde ich auch nicht gerade als Vorteil. Ich fürchte, meine Geduld reicht nicht mehr allzu lange.
Wer noch ein bisschen tiefer einsteigen möchte kann bei Tom Krazit auf news.cnet.com weiterlesen:
5.1.2010: Google’s mobile hopes go beyond Nexus One










eigentlich war ich auch schon ganz heiß auf das Nexus One … aber sollte es wirklich so kommen, das es nur bei Vodafon gibt, dann war es wohl damit! Dann vielleicht doch das Desire oder ein ganz anderes :p