Mein macbook, mein iPhone, mein iPad?
In der letzen Januar-Woche hat Apple sein neuestes Spielzeug vorgestellt: Das iPad. Nun frage ich mich natürlich: Will ich das haben? Brauche ich das? Was könnte ich damit machen?
Eigentlich habe ich ja keine Verwendung dafür. Allerdings erinnere ich mich noch zu gut an die Zeit, in der erste iPod in die Läden kam. Da dachte ich auch: Wer braucht denn sowas? Heute wohnt bereits die vierte iPod-Generation in meinem Haushalt.
Was mich am iPad zunächst irritiert hat, ist die fehlende Unterstützung von Adobe Flash. Das bedeutet, dass zum Beispiel Video-Inhalte, flashbasierte Navigations-Menüs und Spiele auf dem iPad nicht dargestellt werden.
Was ist der Grund für diesen Verzicht? Die offizielle Begründung von Apple sind technische Bedenken. Flash sei einfach instabil, meint Steve Jobs (nachzulesen beispielsweise auf chip.de), die Mehrzahl aller Systemabstürze auf Applerechnern sei auf Flash-Fehler zurückzuführen. Laut Jobs setzt Apple ausserdem auf den neuen Standard HTML 5, mit dem in Zukunft Video-Inhalte ohne den Umweg über Flash eingebunden werden können.
Tatsache ist, dass Flash ein Programm von Adobe ist und nicht zu den Webstandards gehört. Durch seine Verbreitung ist es zum Quasi-Standard geworden, aber es ist in der Hand eines Unternehmens und wird von diesem mehr oder weniger erfolgreich weiterentwickelt. Webdesigner müssen das Programm kaufen, nur das Plugin für den Browser ist kostenfrei.
HTML 5 wird ein offener Standard sein. Und es ist in der Tat zu erwarten, dass HTML 5 Adobe Flash verdrängen wird. Vielleicht schneller, als man denkt.
Kritische Stimmen vermuten noch andere Gründe hinter der Flash-Verweigerung. Es wird gemunkelt, dass man Flash als Entwicklerplattform draußen halten möchte. Die Nutzer sollen eng an den App-Store gebunden bleiben. Nur was dort zu kriegen ist, soll auf einem Apple-Gerät landen dürfen. Flash würde diese Bindung unterlaufen, Entwickler könnten Programme auf Flash-Basis entwickeln und am App-Store vorbei an den Mann und an die Frau bringen.
Was ist das iPad eigentlich?
Das iPad ist ein bisschen e-Reader, ein bisschen Spiele-Konsole und ein ziemlich cooles Surfgerät. Von allem etwas und nichts richtig?
Ich glaube, die Mischung ist gelungen.
Es sind zwei Dinge, die das iPad der Konkurrenz voraus hat: Das intuitive Bedienkonzept und die Infrastruktur über den App-Store.
Apple hat übrigens das Multitouch-Konzept vom iPhone für das iPad eindrucksvoll weiterentwickelt. Damit wird die Bedienung noch ein wenig einfacher und intuitiver. Ein ziemlich spannender Aspekt, der in der allgemeinen Aufregung ein wenig untergegangen ist.
Zwar sind die Tablet-PCs in den letzten Wochen wie Pilze aus dem Boden geschossen, aber darunter wird kaum ein Teil sein, das Apple das Wasser reichen kann. Es reicht einfach nicht, ein PC-Betriebssystem irgendwie an eine Touch-Oberfläche anzupassen. Die Nutzer werden damit nicht zurechtkommen.
Auch wenn sie Kummer gewohnt sind, die Nutzer. Fraser Speirs vermutet hinter der teilweise vehementen Kritik der Computergemeinde am iPad nichts weniger als einen Kulturschock:
Jahrelang haben wir den Glauben hochgehalten, dass man den Umgang mit dem Computer für den »Durchschnitts-Nutzer« leichter machen müsste. Ich kann’s nicht anders sagen, aber mit diesem Anliegen sind wir vollkommen gescheitert. Insgeheim vermute ich, das wir Technologen es ganz nett fanden, dass die Normalos auf uns und unseren Technik-Schamanismus angewiesen waren. Denn nur wir kannten die Zauberformel, wenn es galt, ihre Computer zu heilen (…).
Wir haben uns daran gewöhnt, eine Maus mit eckigen Bewegungen über eine Tischplatte zu schieben und dabei angestrengt auf den Cursor zu starren. Wir irren durch Menüs, suchen das Programm-Fenster, das eben noch da war und plötzlich verschwunden ist (Stichwort Multitasking) und haben uns damit abgefunden, so lange in einem Dokument herumzuklicken, bis ungefähr das, was wir wollten, aus dem Drucker kriecht.
Einen Computer zu bedienen kostet Zeit und Nerven. Ressourcen, die wir dafür einsetzen könnten, was wir eigentlich tun wollten.
Selbst wenig computeraffine Menschen werden mit dem iPad zurechtkommen. Mit dem Finger blättern, das kann jeder in zwei Minuten lernen. Darin liegt vielleicht das größte Potenzial des iPad.
Wie geht’s weiter?
Wie werden sich die Verkaufzahlen des iPad entwickeln?
Wird das iPad neue Käuferschichten erschließen? Kommt doch noch die Konkurrenz von Google? Wird es Apple’s erster Flop nach vielen fetten Jahren?
Ich bin gespannt.
P.S. Ich habe einen Grund gefunden, warum ich vielleicht doch ein iPad brauche. Mein Zeitungsabo würde in elektronischer Form weniger als ein Drittel kosten, das iPad würde sich so in kurzer Zeit ammortisieren. Das ist doch ein Argument, oder?
Foto: Apple Inc.









