18. Juni 2010

iPhone versus HTC Desire (Teil 2)

Das Web erklärt — von Elisabeth Hölzl | Artikel drucken

In dieser Woche steigt das iPhone in den Ring. Es hat einen gewissen Heimvorteil, denn es ist umgeben von allerhand anderen Produkten mit dem Apfel – iPod, MacBook und Co. lassen grüßen. Das bedeutet natürlich auch, dass mir viele Symbole und Icons gut vertraut sind.

Teil 2: Das iPhone 3GS

Von Elisabeth (HTC Desire-Besitzerin)

Optisch liegt das iPhone eindeutig vorne. Es liegt gut in der Hand und wirkt wertiger als das HTC Desire. Und es sieht einfach gut aus! Es gibt nur einen Knopf am unteren Ende des Bildschirms, der sich perfekt einfügt.
Vom Gewicht her dürften die beiden ähnlich sein. Das iPhone ist beim Anfassen allerdings sehr glatt, ich habe immer ein wenig Sorge, es wird mir gleich aus der Hand rutschen.

Erster Schritt: Das iPhone aus dem Schlaf reißen. Auf den Home-Button drücken und Bildschirm entsperren ist eins, auch wenn ich vorher nicht wusste, wie es funktioniert. Ein Pfeil, der nach rechts zeigt, spricht eine eindeutige Sprache.

Der Startbildschirm verwirrt mich ein wenig. Die Uhr ist ganz klein ganz oben zu sehen, genauso wie die Status-Meldungen von Akku, Netz, WiFi und Co. Dafür sehe ich eine Fülle von großen bunten Icons. Hier brauche ich einen Moment, um mich zu orientieren. Erst nach einigem Hin- und Herwechseln zwischen den Bildschirmen wird mir klar, dass die wichtigsten, die in der untersten Zeile, immer an dieser Stelle bleiben und nur die anderen ausgetauscht werden.

Apps und Einstellungen

Der erste Eindruck ist positiv: Das iPhone besticht durch klare Benutzerführung. Alle Apps wirken einheitlich, die Benutzeroberfläche ist aus einem Guss. Die Einstellungen kann man zentral bei »Einstellungen« bearbeiten. Es gibt keine Verwirrspiele, wie man bei dieser oder jener App nun wohl die Schriftgröße, den Ton oder sonstwas verändern könnte. Es gibt auch keine seltsamen Status-Meldungen, die ich erst mühsam im Handbuch nachschlagen muss.

Man kann das iPhone in die Hand nehmen und sofort benutzen. Einarbeiten oder gar nachlesen ist völlig unnötig.

Was mir tatsächlich fehlt ist etwas Übersichtlichkeit. Alle Apps nebeneinander auf den Bildschirmen zu versammeln überzeugt mich nicht. Wollte ich jedoch meine Screens so einrichten, dass jeweils nur wenige Apps zu sehen sind, müsste ich durch viele, viele Seiten voller Apps scrollen. Ich weiß nicht, wie praktisch das am Ende ist. Andererseits wären die wichtigsten Apps ja so oder so immer am unteren Rand sichtbar. Aber da ist nur Platz für vier und das ist recht wenig. Ich bin etwas unentschieden.

Beim HTC Desire bzw. mit Android 2.1 habe ich die Möglichkeit, nur diejenigen Apps, auf die ich schnell zugreifen möchte, auf einem der sieben Screens zu platzieren. Alle anderen bleiben verborgen und können aus einer Liste geöffnet werden. Oder ich kann ein oder zwei größere Widgets auf einen Screen legen. Die sind dann so groß, dass ich sie im Auge behalten kann ohne sie tatsächlich zu öffnen. Auf diese Weise habe ich beispielsweise meine Emails, meine ToDo-Liste und meinen Kalender immer im Blick. Beim iPhone muss ich die jeweilige App öffnen. Eigentlich kein großer Aufwand, aber doch ein wenig lästig.

Beim Tastatur-Test bin ich angenehm überrascht: Ich bin erstaunlich treffsicher und komme sehr gut zurecht. Was ich aber auch bemerke: Ich habe mich schon sehr daran gewöhnt, dass MEIN Spielzeug mir wahlweise kleine oder große Buchstaben anzeigt. Obwohl ich das auf der Computertastatur auch nicht vermisse irritiert es mich beim Schreiben mit dem iPhone.

Sich im Web zu bewegen mit Safari mobile macht Freude. Im Vergleich fand ich weniger Darstellungsfehler als zum Beispiel mit Opera Mini (zugegebenermaßen Beta-Version) beim Desire. Einziger Makel: Es gibt kein Flash. Da bin ich mittlerweile etwas verwöhnt und kann einige meiner Lieblingsseiten nicht anschauen. Die YouTube-App kann das nur teilweise ausgleichen.

Ein weiteres Feature, das mir plötzlich fehlt, ist die sehr komfortable Version von Google-Maps vom HTC Desire. Dort kann ich verschiedene Layers ein- und ausblenden, beispielsweise den öffentlichen Nahverkehr inklusive aller Linien (samt einem direkten Link zum MVV). Oder die nächstgelegene Location finden, wo ich mir die Fußball-WM in Gesellschaft anschauen kann.
Turn-by-turn-Navigation? Auf dem iPhone Fehlanzeige. Schade. Das ist eine Orientierungshilfe, die ich mittlerweile nicht mehr missen möchte. Dass sie beim iPhone nicht da ist, liegt wahrscheinlich einmal mehr an der restriktiven Politik von Apple.

Technische Ausstattung

Der Bildschirm des iPhone kann sich nicht wirklich mit dem des HTC Desire messen. Er ist kleiner und hat eine geringere Auflösung. Da fehlt ein wenig die Brillianz und die Schärfe beim Lesen.

Ein weiteres Manko für mich ist, dass der Akku nicht auswechselbar ist. Ich vermute stark, dass bei diesen recht energiefressenden Gadgets der Akku schnell den Geist aufgeben wird. Beim Desire ist das eine einfache Übung; was dann mit dem iPhone wird muss sich zeigen. Dasselbe beim Speicher: Beim iPhone fest eingebaut, beim HTC Desire durch Micro-SD-Karten bis 32 GB aufrüstbar.
Im Moment hat das iPhone zwar noch die Nase vorn, denn bei Android 2.1 ist es nicht ohne weiteres möglich, Apps auf der Speicherkarte zu sichern. Der interne Telefonspeicher ist aber schnell voll (384 MB RAM). Dieses Manko soll aber mit dem Upgrade auf Android 2.2 behoben sein, das für das HTC Desire noch im Juni kommen soll.

Die eingebaute Kamera ist ein Feature, das mir nicht sonderlich wichtig ist. Fürs Fotografieren würde ich nicht mit der Handy-Kamera losziehen. Die iPhone-Kamera macht trotzdem keinen überzeugenden Eindruck: 3 Megapixel, keine Einstellmöglichkeiten und auch keinen Blitz.
An der Stelle spielt die Kamera des HTC Desire in einer deutlich anderen Liga: 5 Megapixel, Blitz (hat sogar ein bisschen Reichweite), diverse Einstellmöglichkeiten (ISO, Weißabgleich, Mini-Zoom, Fokussierung). Die Schnappschüsse, die ich bislang gemacht habe, sind ganz nett geworden.

Mein Fazit: Hübsche Verpackung, Technik nicht überzeugend

Ich möchte nicht tauschen. Die Inkonsistenz in der Benutzeroberfläche, die dem HTC Desire und seinen Geschwistern nachgesagt wird, sehe ich zwar, aber sie stört mich nicht. Vielleicht habe ich lange genug mit allen möglichen (frühen) Versionen von Linux gearbeitet, um an der Stelle eine gewisse Unempfindlichkeit und Freude am Basteln mitzubringen. Die Tatsache, dass Android ein offenes System ist, hat für mich höhere Priorität. Damit habe ich weit mehr Möglichkeiten, mein Smartphone meinen Bedürfnissen anzupassen.

Testergebnis iPhone

  • restriktiver App-Store
  • langsamer Prozessor
  • kein Flash
  • Akku nicht austauschbar
  • Unübersichtliche Oberfläche
  • sieht einfach gut aus
  • klare Benutzerführung
  • einheitliche Optik

Ein Kommentar zu “iPhone versus HTC Desire (Teil 2)”

  1. Netter Blog :) Vor allem das Blumenmuster gefällt mir ja sehr gut. Schade nur das Ihr so wenig Bilder integriert. Vom Text her aber sehr gelungen!

    Wer sich für eine extrem ausführlichen Bericht / Vergleich des HTC Desire zum Apple iPhone interessiert sollte hier mal reinschauen: http://www.24mobile.de/blog/htc-desire-android-smartphone-test.html

    Da wird auch wirklich alles sehr ausführlich und bebildert getestet. Auch einen Vergleichstest zwischen den beiden Display-Typen wurde hier gemacht. Es lohnt sich, da die beiden wohl zu der absoluten Elite der Smartphones gehören dürften!

    LG aus Hamburg

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