9. Juni 2010

iPhone versus HTC Desire (Teil 1)

Das Web erklärt — von Kirsten Schelper | Artikel drucken

Vor zwei Wochen kam es endlich an. Elisabeths neues Spielzeug, das HTC Desire. In unserem kleinen Test tritt es gegen das iPhone 3GS an. Die Kriterien sind höchst subjektiv und das Testergebnis erhebt keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit.

Teil 1: Das HTC Desire

Von Kirsten (iPhone-Besitzerin)

Mein erster Eindruck: Es ist rosa. Tatsächlich und wahrhaftig rosa. Was sich die Marketing-Strategen bei HTC wohl dabei gedacht haben?

Der Einschaltknopf sitzt an vertrauter Stelle, nach einigem Warten sehe ich ein brilliantes, großes Display.
Und was mach ich jetzt? Wie kann ich den Bildschirm entsperren?
Das HTC Desire hat ein paar kleine Knöpfe unten am Gehäuse, ich probiere alle vier durch. Und siehe da, menu bringt mich weiter. Der Bildschirm ist entsperrt. (Später finde ich heraus, dass man den Bildschirm auch entsperren kann, indem man den Uhrzeit-Balken auf dem Touchscreen nach unten zieht).

Am oberen Rand des Displays sind jetzt viele, winzige Icons zu sehen. Die Botschaften von Batterieanzeige, WLAN-Symbol und Funkempfang sind klar, aber was bedeuten die vielen kleinen Pfeile links oben, das Kalendersymbol mit der eins (heute ist der 9. Juni) und das Häkchen daneben? Ein Blick ins Handbuch hilft weiter: Die Pfeilchen und das Häkchen beziehen sich auf das »Herunterladen von Daten«. Und das Kalenderblatt symbolisiert eine Aufgabe. Aha.

Die Ausstattung: Perfekt

Um das Tippgefühl zu testen, schreibe ich eine Notiz im Programm »Note«. Das Tippen geht gut, auch wenn die nach oben längliche Form der Tasten mir das Gefühl gibt, mein Zeigefinger hätte nicht so recht Platz auf der Taste. Es ist nur eine optische Täuschung, aber es irritiert trotzdem.
Als ich meine Notiz speichern will, stehe ich wieder vor der Frage: Was tun? Wieder rettet mich das menu-Knöpfchen. Die beiden Tasten menu und back werden schnell meine Freunde und helfen mir immer dann aus der Patsche, wenn ich mich verlaufen habe.

Insgesamt reagiert das Desire flott und präzise, dank pfeilschnellem Prozessor und gut integrierter Touchscreentechnik.
Internet-Surfen macht Spaß, nicht zuletzt deshalb, weil man selbstverständlich auch Flash-Videos ansehen kann. Auch kann man den Mobilfunkempfang abstellen und nur WLAN-Verbindung erlauben. Das ist immens praktisch. Und über den USB-Anschluss kann man das HTC Desire auch als Modem einsetzen.
An nützlichen und schicken Funktionen herrscht beim Desire wirklich kein Mangel.

Der Pferdefuß: Die Grafik
Das grafische Konzept und die Benutzerführung machen mir die Annäherung an das HTC Desire schwer.
Programm-Icons, Menü-Buttons und Status-Anzeigen wirken irgendwie zusammengewürfelt. Die Elemente sind wenig prägnant gestaltet und dazu relativ klein, was das Zurechtfinden selbst auf dem knackig-scharfen Display mühsam macht. Im Stil wirkt die Grafik altbacken und atmet ein bisschen den Geist der 90er Jahre.

Viele Navigations-Elemente konkurrieren um meine Aufmerksamkeit und trotzdem – oder eher deshalb – komme ich recht oft an den Punkt, an dem ich nicht mehr weiter weiß. Das back-Knöpfchen bringt mich zwar im Zweifelsfall immer an einen bekannten Ort zurück, aber eigentlich wollte ich gerade etwas ganz anderes tun.
Die Bedienung des HTC Desire fühlt sich dadurch sehr viel weniger intuitiv an als die des iPhone. Ich brauche deutlich länger, um ans Ziel zu kommen.

Die fehlende Konsistenz in der Nutzerführung ist ein generelles Problem der neuen Minicomputer, auch die Entwickler von iPhone- und iPad-Apps bewegen sich hier auf dünnem Eis, wie Untersuchungen von Donald A. Norman and Jakob Nielsen zeigen.

Das iPhone bringt jedoch eine Benutzeroberfläche mit, die aus einem Guss ist. Das Design ist einheitlich, klar und unmittelbar verständlich. Ich muss nicht raten, was dieses oder jenes Icons mir sagen will. Auch die Größe der Icons ist so gewählt, dass man sie mit entspanntem Blick erfassen kann.

Auf dem HTC Desire fällt mir die Orientierung schwer, das Scannen, Suchen und Filtern kostet Energie.
Meine Toleranz an dieser Stelle ist nicht sehr hoch. Das Interface-Konzept des iPhone demonstriert recht eindrucksvoll, wie es anders geht. Hier habe ich das Gefühl, dass sich das Gerät nach meinen Bedürfnissen richtet und nicht umgekehrt. Ich muss nicht rätseln, nicht ständig neue Regeln erlernen, die mir ein Programmierer vorgibt. Ich kann einfach meiner Intuition folgen und das Ding tut das, was es tun soll.

Mein Fazit: Tolle Technik mittelmäßig präsentiert

Ich bleibe beim iPhone. ;o)
Betrachtet man die technische Ausstattung, so spricht alles für das HTC Desire. Aber die Benutzeroberfläche macht es mir schwer, die vielen tollen Features zu genießen.

Testergebnis HTC Desire

  • Umständliche Bedienung
  • Unübersichtliche Oberfläche
  • Altbackene Grafik
  • Wenig elegantes Gehäuse
  • Großes, brillantes Display
  • OpenSource Betriebssystem
  • Freier Markt für Apps
  • Schneller Prozessor
  • Flash-Kompatibilität
  • Aufrüstbarer Speicher
  • Austauschbarer Akku
  • USB-Anschluss

Nächste Woche an dieser Stelle: Elisabeth testet das iPhone 3GS.

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